Pressemitteilung
Sommer in der Eifel: Vollgas gegen die Natur!
Motorsportveranstaltungen, Motorradlärm und getunte Fahrzeuge belasten Menschen, Tiere und Natur. Tradition darf kein Freibrief sein – notwendig sind verbindliche Regeln, wirksame Kontrollen und Vorrang für Natur, Gesundheit und Lebensqualität.
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Die Eifel ist eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Ihre geologischen Besonderheiten, ihre artenreichen Lebensräume und ihre attraktiven Erholungsangebote ziehen erfreulicherweise immer mehr Menschen an. Der sanfte Tourismus gewinnt an Bedeutung und bietet der Region eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive.
Doch in den Sommermonaten spüren wir auch, dass der öffentliche Raum vielerorts durch Motorenlärm dominiert wird. Motorräder, getunte Fahrzeuge, der Nürburgring und zahlreiche Motorsportveranstaltungen belasten Menschen, Tiere und Natur durch Lärm, Abgase, Staub und Reifenabrieb. Für zusätzliche Belastung sorgen die Anreise der tausenden Besucherinnen und Besucher sowie umfangreiche Straßensperrungen.
Besonders problematisch sind die jährlich stattfindenden Motorsportveranstaltungen, die häufig mit ihrer langjährigen Tradition begründet werden. Dazu zählen beispielsweise die ADAC-Eifel-Rallyes in Daun und Oberehe. Die Strecken führen über viele Kilometer durch die Natur und teilweise über unbefestigte Straßen. Die Gesamtlänge der Oberehe-Rallye betrug nach Angaben des Veranstalters im Jahr 2025 182,3 km. Einschließlich der Testfahrten bedeuten diese Veranstaltungen jeweils mehrere Tage erhebliche Belastung für Mensch, Tier und Umwelt.
Mit der Kennzeichnung als traditionelle Veranstaltung verhindert man, dass eine über Jahrzehnte gewachsene Gewohnheit in Frage gestellt werden darf.
Tradition allein kann jedoch keine Rechtfertigung für umwelt- und gesundheitsbelastende Großveranstaltungen sein. Eine über Jahrzehnte gewachsene Gewohnheit darf nicht von einer kritischen Prüfung ausgenommen werden. Angesichts des Klimawandels, des Verlusts der Artenvielfalt und der zunehmenden Lärmbelastung müssen politische Entscheidungen an heutigen Schutzstandards ausgerichtet werden – nicht an vergangenen Gewohnheiten.
Die Eifel gehört zu den Regionen Deutschlands, in denen noch bedeutende Hotspots der biologischen Vielfalt existieren. Große Teile der Region gehören zum Natur- und Geopark. Zu den Aufgaben des Naturparks gehört es, die Vulkaneifel als großräumiges, einheitliches, für Natur und Landschaft bedeutendes Gebiet zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln sowie die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts zu erhalten oder wiederherzustellen.
Motorsportveranstaltungen mit Verbrennungsmotoren und erheblicher Lärm-, Abgas- und Verkehrsbelastung stehen diesen Zielen entgegen. Der Schutz von Natur und Artenvielfalt sowie ein sanfter, umweltverträglicher Tourismus müssen daher Vorrang vor Veranstaltungen haben, deren Belastungen vermeidbar sind.
Auch am Nürburgring finden weiterhin überwiegend Rennen mit Verbrennungsmotoren statt. Neben den Rennveranstaltungen sorgen die täglichen Touristenfahrten auf der Nordschleife (derzeit von 8 bis 19 Uhr) für eine dauerhafte Belastung. Nach offiziellen Angaben des Nürburgrings besuchten die Anlage im Jahr 2024 rund 1,8 Millionen Menschen. Viele reisen mit hochgetunten und besonders lauten Fahrzeugen an.
Darüber hinaus hat sich eine Autotuning-Szene entwickelt, die den öffentlichen Raum durch Auspuffklappenanlagen, künstlich verstärkte Motorsounds und unnötige Beschleunigung für ihre Selbstdarstellung nutzt. Diese Form der Lärmbelästigung beeinträchtigt die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner, stört die Tierwelt und widerspricht einem rücksichtsvollen Verhalten im öffentlichen Raum. Riskantes Fahrverhalten verschärft das Problem zusätzlich.
Der Nürburgring hat die zunehmenden Beschwerden aus der Bevölkerung inzwischen aufgegriffen und die Awareness-Kampagne „#respecttheregion“ gestartet. Eine Kampagne allein reicht jedoch nicht aus. Erforderlich sind verbindliche Regeln, wirksame Kontrollen und konsequente Sanktionen.
Die Initiative Silent Rider, in der sich mehrere vom Motorradlärm betroffene Kommunen zusammengeschlossen haben, fordert unter anderem:
- die Einführung einer Schallobergrenze und ein generelles Verbot von geräuschverstärkendem Sounddesign.
- eine Möglichkeit der sofortigen Stilllegung bei nicht genehmigten Veränderungen
- die Einführung von gerichtsfesten Lautstärkemessverfahren
- eine spürbare Erhöhung der Bußgelder für geräuscherhöhende Verstöße
- die Einführung einer Halterverantwortung
- die Einrichtung von Verkehrsruhezonen in Naturschutz- und Wohngebieten
Diese Forderungen lassen sich noch um die folgende ergänzen:
- Für Motorsportveranstaltungen in schützenswerten sensiblen Naturräumen dürfen keine Genehmigungen erteilt werden.
Die Politik darf sich dieser Verantwortung nicht länger entziehen. Wer die Eifel als Natur- und Erholungsregion erhalten will, muss den Schutz ihrer Lebensgrundlagen zur politischen Priorität machen. Rücksichtsloses und antisoziales Verhalten darf nicht als Ausdruck von Tradition, Freiheit oder regionaler Identität verharmlost werden.
Die Eifel braucht eine klare politische Entscheidung für Ruhe, Natur und Lebensqualität. Motorsportinteressen dürfen nicht länger Vorrang vor dem Schutz von Menschen, Tieren und ökologisch wertvollen Lebensräumen haben.
Tradition darf dabei kein Argument sein, das notwendige Veränderungen verhindert.
Ein Beitrag von Gabi Faber
